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Taille-Hüft-Verhältnis (WHR): Der unterschätzte Risiko-Indikator

6 Min. Lesezeit1. Mai 2024
Taille-Hüft-Verhältnis (WHR): Der unterschätzte Risiko-Indikator
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Mehr als nur eine Zahl

Das Taille-Hüft-Verhältnis – englisch Waist-to-Hip Ratio, kurz WHR – ist ein einfacher und überraschend zuverlässiger Indikator zur Beurteilung der Fettverteilung im Körper. Es hilft, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und metabolische Störungen einzuschätzen – oft sogar präziser als der BMI allein.

Warum der BMI nicht ausreicht

Der BMI berücksichtigt nur Körpergewicht und Größe. Er sagt aber nichts darüber aus, wo das Fett im Körper sitzt. Genau das ist aber entscheidend: Bauchfett – das sogenannte viszerale Fett – ist deutlich gefährlicher als Fett an Hüften und Oberschenkeln.

Zwei Personen mit identischem BMI können völlig unterschiedliche Risikoprofile haben. Eine schlanke Person mit Bauchfett ("TOFI" – Thin Outside, Fat Inside) kann gefährdeter sein als eine kräftigere Person mit gleichmäßiger Fettverteilung.

So berechnen Sie Ihren WHR

Die Formel ist denkbar einfach: WHR = Taillenumfang ÷ Hüftumfang.

So messen Sie richtig:

Stehen Sie aufrecht, atmen Sie normal aus, und ziehen Sie das Maßband nicht zu fest. Die Messung am Morgen, vor dem Frühstück, ist am genauesten.

Interpretation der Werte

Frauen:

Männer:

Warum der WHR so wichtig ist

Ein erhöhter WHR weist auf viszerales Bauchfett hin – die Fettart, die am stärksten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, gestörtem Fettstoffwechsel und dem metabolischen Syndrom verbunden ist.

Der Grund: Viszerales Fett ist hormonell hochaktiv. Es produziert entzündungsfördernde Substanzen, die den gesamten Stoffwechsel belasten und chronische Entzündungen im Körper unterhalten. Es ist also nicht nur "Speicher", sondern eigenständiges Organ – mit teilweise schädlicher Wirkung.

BMI plus WHR: das vollständige Bild

Die beste Einschätzung erhalten Sie, wenn Sie BMI und WHR kombinieren. Eine Person mit normalem BMI, aber erhöhtem WHR, hat trotzdem ein erhöhtes Risiko. Umgekehrt kann eine Person mit höherem BMI und gutem WHR weniger gefährdet sein als gedacht.

Was tun bei erhöhtem WHR?

Die gute Nachricht: Viszerales Fett reagiert besonders gut auf Lebensstiländerungen – oft schneller als hartnäckiges Hüftfett.

Ernährung: Mediterrane Kost mit viel Gemüse, Olivenöl, Fisch und Hülsenfrüchten. Wenig Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel. Mehr Ballaststoffe und ausreichend Eiweiß.

Bewegung: Ausdauertraining drei- bis fünfmal pro Woche. Krafttraining für mehr Muskelmasse, die den Stoffwechsel ankurbelt. Mehr Alltagsbewegung – Treppe, Spaziergänge, Stehpulte.

Stress reduzieren: Cortisol fördert gezielt Bauchfett. Schlaf, Achtsamkeit und Pausen sind keine Wellness, sondern medizinisch wirksame Werkzeuge.

Mein Fazit

Der WHR ist ein einfaches Werkzeug mit großer Aussagekraft. Es kostet nichts und braucht nur ein Maßband. Nutzen Sie meinen Online-Rechner, um Ihren Wert zu ermitteln – und sprechen Sie mit mir, wenn Sie Ihren WHR nachhaltig verbessern möchten.

  • Taille: an der schmalsten Stelle zwischen Rippenbogen und Beckenkamm
  • Hüfte: an der breitesten Stelle über dem Gesäß
  • Unter 0,80 → niedriges Risiko
  • 0,80 bis 0,84 → moderates Risiko
  • Ab 0,85 → erhöhtes Risiko
  • Unter 0,90 → niedriges Risiko
  • 0,90 bis 0,99 → moderates Risiko
  • Ab 1,00 → erhöhtes Risiko
Sawsan Salameh

Sawsan Salameh

Ärztin & Ernährungsexpertin I ZPP zertifizierte Kursleiterin I Fachdozentin

Mit über 27 Jahren Erfahrung in der Behandlung von schwerer Adipositas verbinde ich medizinische Expertise mit psychosomatischem Verständnis.

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